Einige entstanden bereits in der Antike, andere dienten während Kriegen als Zufluchtsort oder als Wasserspeicher. Heute sind sie zugänglich und bieten die Möglichkeit, Italien aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen.
Neapel – die Stadt unter der Stadt
Nur wenige Meter unter den belebten Straßen Neapels erstreckt sich ein weitläufiges Labyrinth aus Tunneln, Reservoirs und Gängen, dessen Geschichte mehr als 2.000 Jahre zurückreicht.
Die unterirdischen Räume in Neapel entstanden ursprünglich durch den Abbau von gelbem Tuffstein, aus dem ein großer Teil der Stadt erbaut wurde. Später dienten sie als römische Aquädukte, Wasserspeicher und während des Zweiten Weltkriegs als Luftschutzbunker. Heute können Sie im Rahmen von Führungen durch die engen Gänge, antike Zisternen und die Überreste eines römischen Theaters schlendern, das unter den heutigen Häusern verborgen liegt.
Siena – Geheimnisse unter der Piazza del Campo
Unter einem der berühmtesten Plätze Italiens – der Piazza del Campo in Siena – befindet sich ein verwinkeltes System mittelalterlicher Gänge und Wasserkanäle, bekannt als „Bottini“. Diese versorgten die Stadt jahrhundertelang mit Trinkwasser und galten als technisches Wunderwerk ihrer Zeit. Ein Teil des unterirdischen Netzes ist heute im Rahmen von geführten Führungen zugänglich und bietet einen Einblick in dieses ausgeklügelte System, ohne das das mittelalterliche Siena nicht hätte funktionieren können.
Perugia – unterirdische Gassen, die mehr als zweitausend Jahre alt sind
Das historische Zentrum von Perugia verbirgt eine der am besten erhaltenen unterirdischen Städte Italiens. In dem als „Rocca Paolina“ bekannten Komplex können Sie durch Straßen spazieren, die einst ein ganz normaler Bestandteil der mittelalterlichen Stadt waren. Als im 16. Jahrhundert die mächtige päpstliche Festung errichtet wurde, wurden ganze Stadtviertel buchstäblich von neuen Gebäuden überbaut. So können Sie heute unter den Bögen ehemaliger Häuser, Straßen und Plätze hindurchschlendern, die unter der Erde erhalten geblieben sind.
Orvieto – eine in vulkanischen Fels gehauene Stadt
Orvieto steht auf einem mächtigen Tuffmassiv, und unter seinen Straßen verbergen sich mehr als tausend Höhlen, Schächte und Tunnel. Die unterirdischen Räume von Orvieto dienten als Keller, Olivenpressen, Brunnen und Verstecke in Zeiten der Belagerung. Am bekanntesten ist der monumentale Brunnen des Heiligen Patrick (Pozzo di San Patrizio), der mit seinen zwei spiralförmigen Rampen zu den größten technischen Meisterwerken der Renaissance zählt.
Rom – Katakomben und antike unterirdische Anlagen
Auch unter Rom erstreckt sich eine weitläufige, unter der Oberfläche verborgene Welt. Am bekanntesten sind die frühchristlichen Katakomben, die in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung als Begräbnisstätten dienten. Daneben kann man auch die unterirdischen Teile von Basiliken, Überreste römischer Häuser oder ein antikes Mithräum – einen dem Gott Mithras geweihten Tempel – besichtigen. Jeder Ort enthüllt ein anderes Kapitel der Geschichte der Ewigen Stadt.
Warum entstanden diese unterirdischen Städte?
Die Gründe waren vielfältig. An manchen Orten wurde Baustein abgebaut, an anderen musste die Wasserversorgung gesichert oder ein sicherer Zufluchtsort während Kriegen geschaffen werden. In vielen Städten wuchsen die unterirdischen Räume über Jahrhunderte hinweg nach und nach an, bis ganze Netzwerke von Gängen entstanden, die einer zweiten Stadt glichen. Gerade deshalb gehören sie heute zu den interessantesten historischen Sehenswürdigkeiten Italiens.
Tipps vor dem Besuch
Die unterirdischen Räume sind meist kühler als die Straßen darüber, daher lohnt es sich auch im Sommer, einen leichten Pullover einzupacken. An einigen Orten führen die Führungen durch enge Gänge oder über Treppen, daher ist festes Schuhwerk empfehlenswert. Für die meistbesuchten Orte, insbesondere in Neapel und Rom, empfehlen wir, Eintrittskarten im Voraus zu reservieren.
Italien hat zwei Gesichter
Historische Plätze, Kirchen und Paläste sind das, was die meisten Menschen auf den ersten Blick bewundern. Die wahre Überraschung wartet jedoch oft direkt unter ihren Füßen. Die unterirdischen Städte zeigen, wie komplex und faszinierend die Geschichte Italiens ist. Wenn Sie während Ihres Urlaubs etwas wirklich Außergewöhnliches entdecken möchten, steigen Sie unter die Erde hinab – dort eröffnet sich Ihnen eine Welt, die die meisten Touristen niemals zu Gesicht bekommen.
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