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Stellen Sie sich eine mächtige mittelalterliche Burg vor, deren Mauern einst von den Wellen des Meeres umspült wurden... und nun mitten in der Stadt steht, umgeben von Straßen und Häusern. Das ist die Geschichte von Castello Ursino in Catania, einer der dramatischsten und interessantesten Burgen in ganz Sizilien. Sein Schicksal wurde von der Natur so stark verändert, dass es die Landkarte der Küste neu geschrieben hat.

Auf den ersten Blick sieht das Castello Ursino wie eine klassische Stadtfestung aus. Doch als es im 13. Jahrhundert erbaut wurde, stand es direkt am Ufer des Ionischen Meeres. Die Burg wurde zwischen 1239 und 1250 im Auftrag von Kaiser Friedrich II. von Stauff, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des mittelalterlichen Europas, erbaut. Damals diente sie als strategische Küstenfestung, die den Zugang nach Catania verhinderte, die Handelswege schützte und die kaiserliche Macht auf der Insel symbolisierte.

 

Das Meer war damals buchstäblich zum Greifen nah. Schiffe konnten an den Mauern anlegen, und die Wellen prallten direkt an die Steinmauern.

Der Ausbruch des Ätna im Jahr 1669: das Ereignis, das "das Meer zurückdrängte"

Der Wendepunkt kam 1669, als der Ätna einen der verheerendsten Ausbrüche seiner Geschichte erlebte. Die Lava floss in Richtung Catania, überflutete Teile der Stadt und begrub die ursprüngliche Küstenlinie. Es entstand eine neue Landmasse, und das Meer rückte Hunderte von Metern weiter hinaus. Castello Ursino verlor den direkten Kontakt zum Wasser und fand sich im Landesinneren wieder, umgeben von einer neuen Landschaft aus Lavagestein.

Ironischerweise war es die Lava, die das Schloss schützte. Anstatt sie zu zerstören, umschloss sie die massive Struktur und bewahrte sie als stumme Zeugin der Katastrophe. Als Catania Jahrzehnte später, im Jahr 1693, von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht wurde, stürzten viele Gebäude der Stadt ein, doch das Castello Ursino blieb stehen. Dies macht es heute zu einem der authentischsten mittelalterlichen Bauwerke der Region.

Catania

Die Burg von Ursino stand früher direkt am Meer

Castello Ursino heute

Wenn man heute im Innenhof des Castello Ursino steht, kann man sich kaum vorstellen, dass man vor einigen Jahrhunderten statt der Straßen der Stadt das Meer und die Schiffe vor Anker gesehen hat. Alte Karten und historische Quellen belegen jedoch eindeutig, dass das Schloss tatsächlich eine Festung am Meer war. Ihr heutiger Standort ist das Ergebnis eines dramatischen Eingriffs der Natur, der nicht nur die Landschaft, sondern auch die Geschichte der gesamten Stadt verändert hat.

 

Heute dient das Castello Ursino als Stadtmuseum von Catania und ist eines der wichtigsten Denkmäler im Osten Siziliens. Seine Geschichte ist außergewöhnlich, weil sie mittelalterliche Architektur, die vulkanische Kraft des Ätna und die Veränderung der Küste zu einem faszinierenden Ganzen verbindet.